AKT 2: „Ibiza, Adrenalin und der Rabe“
- 1. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Von Daniel Nenning
Mai 2019. Linz. Der Asphalt am JKU-Campus glüht, und mein Kopf auch.
Wir waren mitten im Endspurt der ÖH-Wahl. Wochenlang hatten wir geplant, plakatiert und diskutiert. Ich war der Spitzenkandidat der GRAS an der JKU. Ein „Bua vom Land“, der plötzlich die Verantwortung für ein ganzes Team und eine politische Vision trug.
Mein innerer Überlebensrabe krächzte in Dauerschleife: „Was machst du hier? Die Leute wollen keine Weltverbesserer. Die wollen billiges Mensa-Essen und Ruhe. Du blamierst dich.“
Und dann passierte es. Ein Freitagabend. Ein Video. Eine Finca auf Ibiza.
Der Moment, in dem das System bebte
Ich saß mit meinem Team zusammen, als die ersten Push-Nachrichten einschlugen. In Sekunden änderte sich die Atmosphäre von „Wahlkampf-Müdigkeit“ zu purem elektrischem Strom.
Das politische Österreich implodierte in Echtzeit.
Andere Fraktionen am Campus gingen auf Tauchstation. Sie warteten auf Anweisungen aus den Parteizentralen. Wir nicht. In dieser Nacht schlief niemand. Wir wussten: Das ist der Moment, in dem Haltung wichtiger ist als jedes Programm.
„Jetzt erst recht.“
Wir haben unsere gesamte Kommunikation über Nacht umgeworfen. Wir haben nicht mehr nur über Uni-Politik geredet. Wir haben über Anstand geredet. Über die Zukunft, die man uns gerade vor laufender Kamera verkaufen wollte.
Guerilla-Krieg mit Einhorn-Stickern
In dieser Phase entstand etwas Magisches. Wir nutzten das Adrenalin. Wir haben den Campus mit Stickern und Plakaten „besetzt“, die so gar nicht nach braver Politik aussahen. „Einhörner gegen Faschismus“ war nicht nur ein Slogan – es war eine Kampfansage an die Grauenhaftigkeit der Korruption.
Ich stand stundenlang in der Mensa. Ich habe geredet, bis meine Stimme weg war. Ich habe gesehen, wie junge Menschen, die vorher resigniert weggeschaut hatten, plötzlich stehen blieben. Sie sahen nicht den „Spitzenkandidaten“. Sie sahen jemanden, der genauso wütend und hoffnungsvoll war wie sie selbst.
Der Rabe lernt fliegen
Mitten in diesem Chaos veränderte sich mein innerer Dialog. Der Rabe, der mich vorher klein halten wollte, wurde zum Visionenraben. Er sammelte nicht mehr nur Verletzungen, sondern Chancen.
Der Sieg am Wahlabend war süß, aber die eigentliche Erkenntnis war tiefer: Menschen folgen keinen Paragraphen. Sie folgen einer Energie, die sich traut, echt zu sein.
Wir haben die konservativen Mehrheiten an der JKU ins Wanken gebracht. Nicht mit Millionenbudgets, sondern mit Mut, Agilität und einem verdammt guten Gespür für den Zeitgeist.
Die Narbe des Erfolgs
Doch der Erfolg hatte seinen Preis. Adrenalin ist ein geliehener Treibstoff. Wenn der Vorhang fällt, bleibt die Stille. Ich habe gelernt, dass man eine Masse bewegen kann – aber wenn man vergisst, sein eigenes Nervensystem mitzunehmen, zahlt man später die Zeche.
Reality-Check-Box:
Wann warst du das letzte Mal in einer Situation, in der alles um dich herum zusammenbrach – und du plötzlich wusstest, wer du wirklich bist?
Hast du auf deine Zentrale gewartet oder hast du angefangen zu schreiben?
Nächster Halt: Akt 3. „Elias Spero – Die Geburt eines Alter Egos“.
Wie ich lernte, meine Vielseitigkeit nicht mehr als Fehler, sondern als Architektur zu begreifen.
Über Daniel Nenning: Der Architekt zwischen den Welten
Manchmal muss man lernen, einen Traktormotor zu zerlegen, bevor man versteht, wie man eine Seele repariert. Daniel Nenning ist kein klassischer Founder. Er ist ein System-Hacker mit bäuerlichen Wurzeln.
Aufgewachsen in der Stille des ländlichen Raums, wo Gefühle oft hinter harter Arbeit versteckt wurden, entwickelte er eine außergewöhnliche Fähigkeit: Er liest die „Hardware“ von Systemen – egal ob es sich um komplexe KI-Plattformen, städtebauliche Blueprints oder das menschliche Nervensystem handelt.
Warum er tut, was er tut
Daniel hat den „Code des Schweigens“ am eigenen Leib erfahren. Heute nutzt er diese Narben als Bauplan. Er ist der Überzeugung, dass Neurodiversität kein Fehler im System ist, sondern das nächste notwendige Update für unsere Gesellschaft.
Der Visionär: Er baut mit The Endgegner Universe Räume für das Unausgesprochene.
Der Stratege: Er entwickelt KI-gestützte Sales-Plattformen, die nicht nur skalieren, sondern den Menschen am anderen Ende der Leitung wirklich sehen.
Der Rebell: Seit dem Moment mit dem Einhorn-Sticker weiß er: Die lautesten Veränderungen beginnen oft im Stillen.
Sein Credo
Daniel glaubt nicht an „Passt scho“. Er glaubt an radikale Authentizität und die Macht der Gemeinschaft. Er ist hier, um die Betriebssysteme der alten Welt zu prüfen und neue, menschlichere Versionen zu installieren.
„Ich bin nicht hier, um in deine Norm zu passen. Ich bin hier, um die Norm so weit zu dehnen, bis jeder Platz darin findet – vor allem die, die sich bisher wie eine Schachtel loser Schrauben fühlten.“
Daniel in Zahlen & Fakten:
Wurzeln: Tief im Land, den Blick in den Wolken.
Werkzeuge: KI, Empathie, Daten und eine Prise Rebellion.
Mission: Den „ineren Raben“ in jedem von uns zu wecken.



